Über den eigenen Tellerrand hinaus die Welt erkunden
Jeden Tag essen wir Frühstück. Aber was essen wir? Und wo kommt das her, was wir essen? Das wollen wir uns hiermit genauer anschauen. Genauso spannend ist es herauszufinden: Was essen eigentlich Kinder in anderen Ländern der Welt? Manche essen genau das gleiche wie wir, zum Beispiel Müsli oder Marmeladenbrötchen. Andere essen ganz anders, als wir das gewöhnt sind.
Entscheidend dafür, was Kinder zum Frühstück oder zu anderen Zeiten des Tages essen, sind ganz unterschiedliche Aspekte.
- Die Landschaft und die Klimazone des Landes: So gibt es beispielsweise in Brasilien, dem fünftgrößten Land der Welt, eine vielfältige Landschaft in unterschiedlichen Klimazonen: Regenwald, Savannen, Hochebenen und sogar einer Halbwüste. So ist auch das Frühstück der Kinder in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich.
- Stadt und Land: Der Zugang zu Nahrungsmitteln kann sehr verschieden sein. So lässt sich viel im eigenen Garten ernten oder frisch von Bauern und Bäuerinnen in der Nachbarschaft erhalten. In größeren Orten können Lebensmittel (nur) auf Wochenmärkten oder in Supermärkten gekauft werden. In Supermärkten sind sie häufig weiterverarbeitet und verpackt.
- Einkommen der Eltern: In manchen Ländern entscheidet das Einkommen darüber, was auf den Tisch kommen kann. Wenn Familien besonders wenig zur Verfügung haben, sind staatliche Fürsorge-Programme wichtig, zum Beispiel eine öffentliche Schulspeisung. Kinder bekommen dann das Frühstück und das Mittagessen in der Schule.
- Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie: Wie stark ein Land geprägt ist durch die Möglichkeit, Lebensmittel in ausreichenden Mengen anzubauen, weiterzuverarbeiten und zu verteilen, hat ebenfalls einen großen Einfluss. Handelsbeziehungen entscheiden darüber, welche Lebensmittel aus anderen Ländern oder Kontinenten importiert werden.
- Tradition: Wichtig ist natürlich auch eine in einer Region typische Zubereitungsart von Lebensmitteln. Ein gutes Beispiel ist der in Deutschland weit verbreitete und doch regional sehr unterschiedliche Kartoffelsalat. So wird gibt es in Mittelamerika traditionelle Rezepte aus roten Bohnen als Mus oder Suppe.
Was fällt euch dazu noch ein?
Brasilien, Francisco
Mein Frühstück
Ich heiße Francisco, bin 25 Jahre alt und komme aus Brasilien. Das ist das größte Land in Südamerika. Ich erzähle euch heute, was ich dort als Kind zum Frühstück gegessen habe. Ich komme aus der Großstadt São Paulo und bei uns gehörten zum Frühstück üblicherweise belegtes Brötchen, Milch, Müsli, Joghurt und Obst. Ich denke, die meisten Kinder in Deutschland kennen das auch.
Woher kommt das Essen?
Menschen in Großstädten kaufen das Essen im Supermarkt. Aber es ist vermutlich in Brasilien angebaut, geerntet und weiterverarbeitet worden. Aufgrund der vielfältigen Landschaft und einer starken Lebensmittelindustrie ist dies möglich.
El Salvador, Yolanda
Mein Frühstück
Ich bin Yolanda, 21 Jahre alt. Meine Mutter kommt aus El Salvador, das liegt in Mittelamerika. Dort war ich häufig zu Besuch bei meiner Familie in dem Ort Chalate. Ich erzähle euch, was wir dort zum Frühstück gegessen haben.
Rote Bohnen und Mais sind dort die wichtigsten Nahrungsmittel und werden mindestens einmal am Tag gegessen, z.B. als Bohnensuppe mit Tortillas aus Maismehl. Das Lieblingsfrühstück von vielen Kindern in Chalate ist „frijoles molidos fritos“ – Bohnenmus. Dazu gibt es häufig frittierte Kochbananen, Avocado, Ei und Käse.
Woher kommt das Essen?
Meine Familie baut Bohnen und Mais selbst an und hat auch Hühner für frische Eier. Milch und Käse werden frisch gekauft. An Obst und Früchten mangelt es nie, denn die verschiedensten Sorten wachsen an Bäumen im ganzen Dorf.
Aber viele Menschen in El Salvador kaufen ihre Lebensmittel im Supermarkt. Dann sind sie häufig aus anderen Ländern gereist, z.B. Nicaragua oder USA.



Costa Rica, Yolanda
Mein Frühstück
Ich bin Yolanda, 21 Jahre alt. Vor zwei Jahren war ich für einen weltwärts-Freiwilligendienst in der Stadt San José in Costa Rica/ Mittelamerika.
Das traditionelle Frühstück in Costa Rica ist „Gallo Pinto“, kurz Pinto. Es besteht aus Reis und Bohnen, die zusammen mit Zwiebeln und „Salsa Lizano“ (Gewürzsauce) angebraten werden. Dazu gibt es häufig ein Ei, Kochbanane, Weißbrot, Käse oder Sauerrahm („Natilla“).
Auf dieses Essen sind die Menschen in Costa Rica sehr stolz. Pinto wird zuhause zubereitet, aber man findet es auch in allen „Sodas“ (kleine einfache Restaurants, in denen typisches Essen zubereitet und serviert wird).
Woher kommt das Essen?
In der Hauptstadt kaufen die Menschen Reis und Bohnen im Supermarkt, häufig werden diese aus den USA oder Nicaragua importiert. Die Eigenproduktion reicht nicht für den Bedarf des Landes aus und die Preise der importieren Bohnen sind oft günstiger als die der lokal produzierten. Das setzt die lokale Produktion, vor allem für kleinere Bauern und Bäuerinnen unter Druck.


Taiwan, Yen
Mein Frühstück
Hallo. Ich bin Yen, 40 Jahre und lebe in Taiwan. Bei uns gibt es üblicherweise zwei Sorten Frühstück. Entweder essen die Kinder ein westliches Frühstück, das aus Toast mit Marmelade besteht oder aus Müsli. Oder es gibt ein chinesisches Frühstück aus Sojamilch, Tee-Ei, Reis mit Gemüse, Omelett oder Mantou (Hefebrötchen). Es gibt viele verschiedenen Versionen von Omelett oder Mantou.
Woher kommt das Essen?
Obst, Gemüse, Tee, Zuckerrohr und Reis werden in Taiwan angebaut, jedoch nicht in ausreichendem Maß. Viele Lebensmittel werden importiert, zum Beispiel Getreide. So kommt das Frühstücksmüsli nicht aus Taiwan. Wichtige Handelspartner sind die USA, Brasilien, Australien und Neuseeland sowie Japan und Südkorea.








Iran, Maysam
Mein Frühstück
Hallo, ich bin Maysam aus dem Iran. Was dort ganz wichtig ist, das ist Fladenbrot. Wir haben vier bis fünf verschiedene Sorten Brot mit unterschiedlichen Namen: Sangak, Taftan, Barbari oder Lavash. In der Regel wird zum Fladenbrot Schafskäse gegessen. Und es gibt auch Butter und Marmelade dazu.
Ein traditionelles Frühstück im Norden von Iran ist Reis mit weißen Bohnen und Spiegeleier. Ganz neue Mode sind Cornflakes.
Woher kommt das Essen?
Der Iran ist bestrebt, sich selbst zu versorgen. So werden vielfältige Lebensmittel angebaut, zum Beispiel Getreide, Obst und Gemüse. Allerdings müssen Getreide und andere Grundnahrungsmittel noch zusätzlich importiert werden, um die heimische Produktion zu ergänzen. Wichtige Handelspartner sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Türkei, Niederlande, Schweiz und Indien.

Chile, Francisca
Mein Frühstück
Hallo! Ich bin Francisca aus Chile, einem langen, schmalen Land mit vielen verschiedenen Klimazonen, Wüste und Regenwald. Die Frühstücke im Haus meiner Großeltern, an die ich die schönsten Erinnerungen habe, bestanden aus viel „Palta“ – so nennen wir Chilenen die Avocado. In Chile haben wir eine besondere Avocadosorte mit einer dünnen, schwarzen Schale, die man mitessen kann. Viele Menschen in den kleinen Städten haben Gärten bei sich zu Hause, und in der Mitte Chiles ist das Klima perfekt für den Anbau von Avocado-, Orangen- und Chirimoya-Bäumen. Und es ist auch üblich, Hühner zu halten, daher gab es beim Frühstück bei meinen Großeltern frische Eier von den Hühnern aus dem eigenen Garten und ein köstliches Weißbrot, das „Pan Batido“ heißt, dazu viel Avocado und frischen Saft von den Orangen aus dem eigenen Garten.
Wenn man in der Stadt lebt und keinen Zugang zu Obstbäumen hat, kauft man Avocados auf dem Markt.
Es ist aber auch üblich, morgens Haferflocken mit Früchten der Saison zu essen.
Woher kommt das Essen?
In fast allen Städten und Dörfern Chiles gibt es „Märkte“, auf denen die Bauern ein- oder zweimal pro Woche ihre frischen Produkte verkaufen. Die Märkte sind auch kulturell sehr wichtig, denn dort lernen sich die Menschen kennen, es entstehen Vertrauensbeziehungen, und zwischen Verkäufer und Käufer bildet sich eine dauerhafte Bindung. Sie nennen sich gegenseitig „caseros“, was so viel bedeutet wie „Teil der Familie“!
So kann man Lebensmittel in großen Mengen kaufen, zum Beispiel „Choclo“ oder Mais. Im Sommer kauft man sogar Säcke mit 30 Stück, um leckere „Humitas“ zuzubereiten, eine Maiscreme, die in Blätter gewickelt wird, wie eine kleine Mais-Tasche.





Ecuador, Mark
Mein Frühstück
Hallo. Ich bin Mark aus Ecuador. Dort essen Kinder zum Frühstück oft ziemlich ähnlich wie Erwachsene, nur in kleineren Portionen. Und das Spannende ist: Das Frühstück erzählt fast die ganze Geografie des Landes. Es ließe sich sagen: „Zeig mir dein Frühstück, und ich sage dir, aus welcher Region du kommst!“
Was essen Kinder in Ecuador typischerweise zum Frühstück? Im Alltag gibt es zwei Möglichkeiten.
1. Das einfache Alltagsfrühstück besteht sehr häufig aus folgenden Komponenten: Brot mit Käse, Rührei oder gekochtes Ei, Milch, Kaffee mit viel Milch oder heiße Schokolade, Haferbrei (avena), Fruchtsaft (z. B. Naranjilla, Mora oder Maracuyá), Banane oder Papaya. Das ist sehr ähnlich zum Frühstück in Deutschland.
2. Das traditionelle Frühstück ist oft sehr herzhaft und regional verschieden. Typische ecuadorianische Rezepte sind: Bolón de verde, Tigrillo, Mote pillo, Humitas, Yuca mit Käse, Encebollado (ja, auch zum Frühstück!).
Woher kommt das Essen?
Das Bildungsministerium bietet für kleine Kinder Coladas, Kekse und Milchgetränke mit Quinoa an, um die Nährstoffversorgung zu verbessern.
Viele Grundzutaten stammen direkt aus den verschiedenen Regionen des Landes: Plátano verde (grüne Kochbanane), aber auch Kakao, Kartoffeln, Mais, Quinoa, Yuca, Kaffee, Milch, Käse und Eier. Sie können auf dem Markt gekauft werden. Ecuador ist damit ein kleines Land mit erstaunlich großer Frühstücksvielfalt!









Afghanistan
Mein Frühstück
In Afghanistan essen Kinder zum Frühstück oft gekochte Eier, hausgemachtes Brot (manchmal in Öl gebacken), Butter und einheimischen Käse. Familien mit besserer wirtschaftlicher Lage haben auch natürlichen Honig und frische Säfte oder Smoothies, zum Beispiel aus Banane, Avocado und Mango oder anderen Früchten. Ab etwa 12 Jahren essen manche Kinder zusätzlich Trockenfrüchte und Nüsse, wie Mandeln, Walnüsse, andere Kerne und Rosinen. Leider ist dieses Frühstück in vielen Dörfern und abgelegenen Regionen wegen der wirtschaftlichen Situation nicht selbstverständlich. Gerade aus diesen Gegenden kamen viele unserer unterernährten und untergewichtigen Kinderpatienten…
Und noch zu den Getränken: zum Frühstück sind gesüßter Tee mit Zucker und Milch sehr üblich. In manchen Familien trinken Kinder auch einfachen schwarzen Tee.